Kaninchenfelle gerben, oder von warmen Pantoffeln fuer die ewig kalten Fuesse meiner Frau. (Video)
Geschrieben von admin in Dies und Das, Selbst gemacht, Tierhaltung, Ungeklaerte Fragen, Verarbeitung und Zubereitung, Versuche, tags: Arbeiten, Gerben, Kaninchen, Tierhaltung, video, WinterWenn ich doch nur nicht alles ausprobieren muesste! Was wuerde mein Leben ruhig und friedlich ablaufen, wenn mir nicht immer wieder neue Projekte in den Sinn kaemen, ohne die es sich, ganz nuechtern betrachtet, viel einfacher leben liesse.
Wir haben doch vor einigen Tagen sieben Kaninchen schlachten lassen. Jetzt bestehen die natuerlich nicht nur aus Fleisch und Knochen, sondern besitzen ja auch noch ein Fell. Und wer so ein richtiger “Moechtegern-Selbstversorger” werden will, der kann solche Felle natuerlich nicht einfach entsorgen. Dafuer sind sie doch viel zu schade. Tierfelle kann man doch gerben oder gerben lassen. Waere doch viel zu schade, diese Moeglichkeit ungenutzt zu lassen. Als “Moechtegern-Selbstversorger” traegt man natuerlich heutzutage auch selbst hergestellte Kleidung. Das ist jawohl das Mindeste, was von einem erwartet wird
.
Ein richtiger “Moechtegern-Selbstversorger” stellt natuerlich auch seine Kleidung selbst her.
Jetzt habe ich immer noch keine Wiese gefunden, um mir eigene Schafe zu halten, meine Versuche, Baumwolle im Garten anzubauen sind auch nicht allzuweit gediehen, und zum Hanfanbau im Garten moechte ich mich, aus verstaendlichen Gruenden, nicht aeussern. Dann muss ich wohl auf meine Kaninchenfelle ausweichen. Selbst wenn es sich nur um sieben Felle handelt, fuer eine neue Muetze oder ein paar warme Schluppen fuer meine Frau sollte es aber reichen.
Dazu habe ich mir vom Schlachter die Felle aufheben lassen. So stand ich also hier, eine Tuete mit ziemlich blutverschmierten Kaninchenfellen in der Hand und wusste nicht so recht, was ich damit anfangen sollte.
Das mit dem Gerben von Kaninchenfellen hatte ich ja schon mal im letzten Sommer auf dem Programm stehen, hatte mir auch damals die Felle mitgeben lassen, musste dann aber, nach einem Anruf in einer Gerberei erfahren, dass Sommerfelle zum Gerben nicht sonderlich geeignet sind. Sommerfelle werden ziemlich sicher die Haare verlieren und waeren allerhoechstens noch dazu geeignet, sich zu Karneval als Neandertaler zu verkleiden. Kaninchenfelle zu Leder gerben mache auch wenig Sinn. Die Haut waere viel zu duenn. So musste ich das Projekt “Neue Muetze” erst einmal verschieben.
Winterfelle sollen sich aber problemlos gerben lassen. Was macht man aber mit sieben Kaninchenfellen an einem Freitagnachmittag? In der Gerberei wurde mir erklaert, ich solle sie nach Moeglichkeit trocknen. Das ginge am besten an einem luftigen warmen Ort. Ich solle sie auf eine Art Drahtbuegel aufziehen und aufhaengen. Hat man das aber noch nie gesehen, geschweige denn selbst gemacht, dann steht man da, wie Ochs vorm Berg.
Was nun machen mit der kalten Kaninchenhaut?
Was haben wir also gemacht? Erst einmal einige Pakete Salz besorgt. Sind die Felle eingesalzen, entzieht das Salz der Haut und dem noch anhaftenden Fleisch das Wasser und verhindert Faeulnis. Dazu haben wir zwei verschiedene Methoden angewendet. Zum einen haben wir einen Teil der Felle, die ja als, ich sag mal Schlauch, in der Tuete lagen, auf der Bauchseite aufgeschnitten und sie dann mit einem Tacker auf ein grosses Brett festgetackert. Sah schon ziemlich makaber aus. Haette ich den Kopf dran gelassen, sie haetten Aehnlichkeit mit dem Tiger in “Dinner for One” gehabt.
Das war die eine Variante. Wir hatten aber auch gehoert, wie man es frueher gemacht hat, als ueber die Doerfer noch Fellhaendler zogen und die Felle der Tiere aufkauften, die bei Hausschlachtungen anfielen. Schon ziemlich lange her. Kann man sich heute kaum noch vorstellen. Damals soll man die Felle nicht aufgeschnitten haben, sondern einfach die Innenseite nach aussen gestuelpt, mit Stroh oder Heu ausgestopft und dann zum Trocknen aufgehaengt haben. Wobei mir die zweite Variante nicht sonderlich praktikabel erschien. Das lag daran, dass, wenn keine Moeglichkeit besteht, die Felle zu trocken, zum Beispiel in einem warmen Heizungskeller, sie durch Einreiben mit einer ordentlichen Portion Salz vor dem Verrotten geschuetzt werden muessen.
Einsalzen soll Faeulnis verhindern
Die Felle auf dem Brett liessen sich noch recht gut einsalzen. Bei denen, die mit Heu ausgestopft waren, hielt das Salz nicht sonderlich gut auf dem Fell. Mir fehlte ja auch die Moeglichkeit, die Felle von anhaftendem Fleisch zu saeubern. Ich habe es mit einem Kuechenmesser versucht, ohne nennenswerten Erfolg. Da braucht man bestimmt ein spezielles Schabemesser fuer. Selbst wenn ich dieses gehabt haette, wie haette ich wissen koennen, was nun Fleisch und Fett ist, und wo die eigentliche Haut anfaengt.
Ich habe sie so gut es eben ging mit Salz eingerieben und dann draussen unterm Dach aufgestellt. Es regnete tagelang, und ich hatte schon Angst, die Felle wuerden verderben. Ein Glueck, dass wir zu dieser Zeit keinen Besuch bekamen. Was haette der Besuch wohl gedacht, wenn er die Felle gesehen haette. Voellig uebergeschnappt, diese Leute waere wohl der erste Gedanke gewesen.
Nach einigen Tagen ist mir das Spiel zu bunt geworden, und ich habe mir eine kleine Gerberei nicht weit entfernt gesucht und die Felle dort abgegeben. Nicht zu viele Projekte gleichzeitig beginnen. Jetzt auch noch loslaufen und Baumrinden zum Gerben zu suchen, ganz zu schweigen von der Zeit, ne, lass mal lieber.
Wie funktioniert eine Naehmaschine?
In der Gerberei werden die Felle zuerst gesammelt und dann in einem Rutsch, das koennen 500 Stueck sein, verarbeitet. Voraussichtlich im Maerz bekomme ich sie dann zurueck.
Da faellt mir ein, ich habe auch keinen Schimmer von der Naeherei. Vielleicht sollte ich mich jetzt schon mal mit der Funktionsweise einer Naehmaschine vertraut machen und nach entsprechenden Schnittmustern im Internet suchen.
Wenn ich doch nur nicht alles ausprobieren muesste!
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… also obwohl wir schon ewig Kaninchen halten und züchten - das Gerben bzw. Trocknen der Felle haben wir noch nie probiert. Zu diesem Thema kann ich dir da leider keinen Ratschlag dazu geben. Bin mal gespannt, ob da was ordentliches dabei rauskommt. Hut ab und viel Glück bei deinem ersten Versuch !!
Hallo,
erstmal ein ganz dickes Kompliment für deine ganzen Videos aus dem Garten. Das mit den Fellen hatte ich mir auch schon mal theoretisch überlegt. Das ganze scheint aber seeeehr aufwendig zu sein, aber einen Versuch ist es auf jeden Fall wert
Vll hilft dir dieser Link weiter, wenn du das Video noch nicht kennst, zumindest was das Entfernen von Fett und Fleisch angeht.
http://www.youtube.com/watch?v=RAiD9WuNwlM
Hallo Markus
diese Felle werde ich nicht selbst gerben. Das kostet in der Gerberei nicht viel. Das Salzen diente nur dazu, die Felle einige Tage haltbar zu machen. Ich bin mal gespannt, was dabei herauskommt.
Gruss RR
Hallo Daniel
Das selbeer Gerben werde ich auch nicht machen. Jedenfalls dieses mal nicht. Ich muss mir ja auch noch Themen fuer spaetere Zeiten aufheben.
Gruss RR
Moin moin!
Ich habe vor einer kleinen ewigkeit mal bei einem Bauern gearbeitet, der hat seine Schaffelle auch zunächst mit Salz und Alaun eingerieben, ettliche Wochen in einer Ecke in eienr Wanne liegen lassen - außerhalb der allgemeinen Riechweite, versteht sich. leider weiß ich nicht mehr, was er danach gemacht hat. Ich glaube, nur abgeschabt und dann mit Fett eingerieben wie man das mit guten Lederschuhen oder Sattelzeug auch macht.
ich koennte mir vorstellen, ein Ceranfeld-Schaber wäre nutzbar.
Ich habe auch ein paar fertige Kaninchenfelle rumliegen, komme aber nicht zum Verarbeiten. Ich habe schon einige Ledertaschen genäht aus dickerem Rinds- und Ziegenleder. Dafuer gibt es spezielle Ledernadeln - fuer den Hand- oder Maschinenbetrieb. Die Spitze ist dreieckig und hoellisch scharf - entweder Fingerhut tragen oder Blutzoll zahlen…….
Und für Leder gibt es auch extra Ledernähmaschinen, die mit mehr Kraft nähen als die Haushaltsvarianten - kann aber vielleicht mit einer alten Fusstrittmaschine von Singer gehen. Solche Maschinen werden auch für Leinwände verwendet, also bei Segelmachern.
Für meine Handarbeiten habe ich gewachstes Garn, das gleitet gut durch die Löcher, aber meins ist auch relativ dick, weil ich mit normalem Zwirn schon schlechte Erfahrung hatte. In einem Buch über Sattlerarbeiten wird beschrieben, dass man die Naht mit zwei Nadeln gleichzeitig näht, so dass die gegenläufigen Fäden zur selben Zeit durch das Loch geführt werden - ist nach meiner Erfahrung gewöhnungsbedürftig, ich habe mehrmals in den jeweils anderen Faden hineingestochen und ihn damit kaputt gemacht.
Viel Erfolg mit den Flauscheteilen, ich habe herrlich warme Fäustlinge aus Kaninchen, die möchte ich nicht missen.
Maja
Servus,
von der Idee nicht schlecht. Ich bin Jäger und verwerte meine Fuchsfelle (Bälge) meiner geschossenen Füchse selbst.
Nach dem streifen (abziehen) werden die Bälge einfach nur gesalzen. Man hat dazu zwei Möglichkeiten. Zum einen im Schlauch oder aber wie bei dir auf der Bauchseite aufgeschärft.
Das Salz muss so dick aufgetragen werden das die ganze Flüssigkeit vom Salz aufgenommen wird. Der Großteil des vollgesogenen Salzes wird abgeschüttelt und ein wenig frisches Salz aufgetragen und ein wenig eingerieben. Man sollte unbedingt das Salz bis in die kleinste Hautfalte (Pfote usw.) aufgetragen werden. Dannach einfach den Balg, Fell zusammenrollen (Hautseite nach aussen) und in Zeitungspapier einwickeln (nimmt ggf. auch noch ein wenig Feuchtigkeit auf). In eine Tüte eingewickelt und im Gefrierfach verstaut kann man so einige Bälge sammeln und bei Gelegenheit zum Gerber bringen.
PS: Überschüssige Haut bzw. Fettreste müssen nicht unbedingt entfern werden, nur wenn große Fettstücke (die leicht zu entfernen sind) vorhanden sind ist es sinnvoll sie vorsichtig ab zu schneiden.
Kanninchenfelle sowie Katzenfelle wurden in den Jahren nach dem Krieg gerne als Muff oder Nierenwärmer verwendet.
Jetzt ist März…was ist aus Deinem Projekt geworden? Liebe Grüße Birgit
Hallo R Kaufmann
Endlich ein Fachmann. Geht das mit dem Einsalzen auch mit Streusalz? Waere preiswerter als Kochsalz.
Gruss RR
Hallo Birgit
die liegen noch beim Gerber.
Wenn ich meine Muetze schneidere, dann gibt es wieder einen Bericht.
Gruss RR
Hallo,
geht natürlich auch mit Streusalz (aber reines Streusalz). Ich bevorzuge allerdings ganz normales Salz (Aldi), kostet nicht die Welt und ich bin mir sicher das keine weiteren Zusätze (können evtl. im Streusalz enthalten sein, setzt den Taupunkt runter) enthalten sind.
Man muß nicht übertrieben viel Salz verwenden. Bei der ersten Bestreuung (kann manchmal auch reichen wenn die Haut noch kein Wasser gezogen hat) so viel das die Flüssigkeit etwas gebunden wird und anschließend etwas einreiben. Dannach nocheinmal dünn drüber (flächendeckend) und einwickeln. Den Rest mach eh der Gerber, das Salz ist nur zur “ersten” Konservierung damit die Haut nicht grün wird und anfängt zu gammeln.
Gruß
Hallo R.Kaufmann
Dann habe ich noch eine Frage: In welchen Zeiten kann man denn die Felle auch gerben lassen? Wann tragen die Tiere denn Winterfelle?
Dann kann ich meine Zucht ein wenig darauf abstellen.
Gruss RR
Hallo,
also ich kann dir nur meine Erfahrungen als Jäger mitteilen, leider nicht als Hobbyzüchter. Die Fuchsbälge sind in der Regel, je nach Witterrung, ab Mitte Oktober - November reif (soll heißen die Tiere bekommen eine dichte Unterwolle und längerer Deckhaare). Erfahrungsgemäß sind Sommerfüchse verhältnismäßig kahl (deutlich weniger Unterwolle, logisch im Sommer!!) und es kann beim gerben passieren das ein Teil der Haare ausfallen.
Ich denke aber je nachdem wie die Kanninchen gehalten werden (Stall oder Halbstall) das man hier auch die besten Ergebnisse im Winterhalbjahr bekommt.
Aber prinzipiell gerben lassen kann man sie das ganze Jahr. Wie bereits geschrieben sammle ich über die Saison einige Bälge (einfrieren) und bringe sie dann zum Gerber.
PS: Ich habe da eine sehr günstige Adresse (natürlich auf Füche bezogen was ein Kanninchen kostet weiß ich nicht, denke aber nicht mehr als ein Fuchs) Je nachdem wo du herkommst ist das vielleicht interessant. Man kann die gefrohrenen Bälge zwar auch hin schicken aber das erhöht natürlich die Kosten. Kontakt gerne per email.
Beste grüße aus dem Westerwald.
Hallo R Kaufmann
Mein Standort ist zwischen Koeln und Duesseldorf. Verschicken moechte ich sie aber nicht. Zu aufwendig. Die Firma, wo ich meine Felle abgegeben habe, liegt 15 Kilometer entfernt in Langenfeld.
Gruss RR
[...] Kommentar tagelang unbeantwortet bleibt (oder gar nicht beantwortet wird) oder warum ich meine gegerbten Kaninchenfelle immer noch nicht zu einer Muetze verarbeitet habe. Der Grund ist klar. Die [...]