Ich habe schwer den Eindruck, im letzten Jahr hatte ich es etwas einfacher mit meinem Getreide. Da war der Boden noch frisch mit dem Traktor gepfluegt, die Erde aus tieferen Schichten enthielt keine Unkrautsamen, und die wenigen Samen, die vielleicht doch noch drin waren oder aber zugeflogen sind, liessen sich recht leicht unter Kontrolle halten. Ausserdem hatte ich im letzten Jahr den Reihenabstand groesser gewaehlt. Ich war nicht so gierig, wollte nicht das meiste herausholen. :)

Da ich ja nun stolzer Besitzer einer Saatmaschine bin, wollte ich es in diesem Jahr etwas besser machen. Den Reihenabstand habe ich bei 15 Zentimeter gewaehlt. Ging ja auch recht gut mit dieser Maschine. Irgendwíe habe ich da die Rechnung ohne die Unkraeuter gemacht. Jetzt nach einigen Wochen spriesst so viel Unkraut zwischen und in den Weizenreihen, dass einem schwindelig werden kann. Die kenne ich nicht einmal mit Namen. Ich sehe nur ein gruenes Meer von Unkraut. Besonders Gras. Es gibt nicht Schlimmeres als Gras. Mit allem anderen kann man zur Not fertig werden. Aber Graeser sind einfach scheusslich. Die Wurzeln stecken fest in der Erde, man kann es nicht einfach ausreissen und liegen lassen. Es bildet Bueschel, die sich ausbreiten. Einfach nur schrecklich. An einer Stelle, an der ich mit dem Einachser nicht vernuenftig pfluegen konnte, blieben einige Graeser an der Oberflaeche. Die haben sich schon fast wieder in eine Wiese verwandelt.

getreidefeld-mit-unkrautVorher nachher. Ein Meer von Unkraut, das hoffentlich nicht die Ueberhand gewinnt.

Dieses Problem werde ich hier niemals wirklich in den Griff bekommen. Ringsherum Wiesen, die teilweise zum Heumachen genutzt werden. Da werden bis zum juengsten Tag Grassamen in Huelle und Fuelle herueberwehen.

Fuer jedes Problemchen gibt es eine Loesung

Jetzt hat der Reihenabstand von 15 Zentimetern einen Nachteil. Ich besitze keine Hacke oder Schuffel, mit der ich zwischen den Reihen vernuenftig arbeiten kann. Alle Geraetschaften hier sind viel zu breit. Ja selbst mit meinen Quadratlatschen komme ich nur muehsam zwischen die Reihen. Ich musste mir was ueberlegen.

gaensefuesse-handgrubberDie mittlere Schar habe ich belassen, die beiden anderen abmontiert. Wer weiss, wieviele Weizenpflaenzchen ich auch damit noch abgeschnitten habe.

Dazu habe ich von einem der alten Gartengeraete, die ich vor einigen Wochen ueber Ebay ersteigert habe, die beiden aeusseren Schare abmontiert und nur den mittleren belassen. Der hat eine Breite von sagen wir mal 10 bis 12 Zentimeter, also gerade schmal genug, um zwischen den Getreidereihen zu arbeiten (wenn man bei der Arbeit nicht traeumt :) ). Er hat aber auch einen grossen Nachteil: Eine Schuffel wirft die Erde nicht seitlich auf. Diese Gaensefussschar macht das aber.

weizen-nachgesaeetDie nachgesaeten Reihen sind wesentlich zuverlaessiger gekeimt. War wohl doch etwas zu tief. Wieder was gelernt.

Ich werd’s nie lernen

Wie man’s macht, man macht’s verkehrt. Ich bin doch einfach ein hoffnungsloser Idealist. Ich denke mir die Dinge immer so zurecht, wie ich es gerne haette. Sah vor meinem geistigen Auge schon wieder die Aehren im Wind wiegen, hatte schon den Geschmack von koestlichem selbstgebackenem Fladenbrot in der Nase und muss nun feststellen, dass es eben doch nicht so kommt, wie ich es mir gedacht habe. Wenn es ja wenigstens noch ein paar Tage richtigen Sonnenschein und warme Temperaturen gaebe. Dann haette die ganze Arbeit, die ich mir heute gemacht habe, vielleicht noch einen Sinn gehabt und das Unkraut waere vertrocknet. Aber so: Mal Sonne, mal Regen. Die Unkraeuter, die ich heute aus der Erde gerupft habe, werden morgen wieder fleissig weiterwachsen.

Hoffentlich waechst der Weizen schnell genug. Wie haben die Bauern das nur in den Zeiten vor Roundup gemacht?

Amazonlinks zum Thema

Getreide anbauen wie die Profis: Bestände aufbauen, führen, schützen
Der Jahreslauf eines Weizenfeldes
Das große Buch der Selbstversorgung

30 Antworten zu “Unkrautbekaempfung im Getreidefeld, oder wie man aus Fehlern lernt. (Video)”
  1. Markus sagt:

    Hallo Ralf,

    hättest du bei deiner Gänsefußschar-Hacke (so nenn ich sie jetzt einfach mal) den Abstand der drei Schare nicht so einstellen können, dass du gleich drei Reihen auf einmal hättest machen können? Oder glaubst du das wäre dann noch schwieriger gewesen, die Pflanzen nicht zu verletzen? Auf jeden Fall würde ich das bald nochmal machen, noch dazu wenn´s immer regnet, das Unkraut wächst sowas von schnell wieder an, so schnell schaut man gar nicht. Jetzt solls ja bald so richtig warm werden, wirst sehen, da schießt der Weizen in die Höhe und ich denke wenn du das dann vielleicht nochmal machst mit der Hacke, wird das Unkraut schon soweit zurückbleiben dass es keine Konkurrenz mehr darstellt für den Weizen.
    Die Wurzeln sollten dabei aber wirklich nicht verletzt werden.
    Mein Winterweizen ist jetzt ca. 20 cm hoch, und ich muss, so leid mir das jetzt tut dir zu sagen ;-) – ich muss eigentlich überhaupt nix tun. Der wächst und es ist so gut wie kein Unkraut. Das ist der Vorteil von Wintergetreide. Im Herbst nach der späten Aussaat wächst kein Unkraut mehr und im Frühjahr hat das Getreide dann schon den nötigen Vorsprung. Ich schick dir bald mal wieder ein Foto … ;-)

    Gruß, Markus

    • admin sagt:

      Hallo Markus

      Nein, die beiden aeusseren Schare sind breiter. Die haetten nicht gepasst. Und ich glaube auch nicht, dass es moeglich gewesen waere, so genau zu arbeiten. Dafuer stehen die Reihen zu nah. Werde dann wohl doch mal einen Versuch mit Winterweizen starten. Halt mich auf dem Laufenden wie es bei dir so weitergeht und wieviel du erntest. Schon was von deiner Bodenuntersuchung gehoert?

      Gruss RR

  2. Markus sagt:

    … aber vom Bild her, also nach dem Hacken, sieht´s echt klasse aus dein Weizenfeld, da gibts gar nix zu kritisieren. :-)

    Der Saatmaschine sei Dank nicht wahr? Mit der Hand hätte man das nie so hinbekommen.

    Markus

  3. Markus sagt:

    … was auch noch ein gewaltiger Unterschied zu letztem Jahr ist – da hat´s ja so gut wie überhaupt nicht geregnet – und so konnte auch nicht viel Unkraut keimen, erst später vielleicht, aber da war der Weizen ja schon groß genug.

  4. gabi sagt:

    Warum berichtest du nicht mal, wie es in deinem Folientunnel so aussieht? Oder hast du dort noch garnichts angebaut?

    Viele Grüße
    Gabi

  5. Aepfelbrei sagt:

    Moin Ralf,
    hab bissl in alten Büchern nachgeschaut und bin über folgendes zum Thema Unkrauttilgen gestoßen.
    …. das auch ausdauernde Unkräuter sich durch oft wiederholtes Hacken bekämpfen lassen, denn ohne Stengel und Blätter, die beim Hacken entfernt werden, vermag auf die Dauer auch der zählebigste unterirdische Teil nicht zu bestehen…..
    Denk das passt mit deiner umgebauten Hacke so ganz gut, wirst aber wohl noch paarmal machen müssen, grad wenn es bei dir viel regnet und dadurch das anwachsen bzw neuaustreiben der unkräuter gefördert wird.

    Kurz zu deiner Harke und dem von Markus oben schon angesprochenen anderen beiden Schare… wenn du diese Hacke e nur für deinen Getreideanbau nutzt kurz doch einfach die Scharblätter an den Außenseiten so das es für deinen Reihenabstand passt. Somit kannst du deine 15cm bebehalten und ggf wie Markus schon meinte drei Reihen auf einmal bearbeiten.
    Bei Ebay gibt es momenten welche “Fortschritt E930 E931 Gänsefüße acht Stück” falls du deine Original nicht ändern willst. Mit bissl geschick solltest die oder andere Modelle an deine Hacke anbringen können.

    Gruß und weiter Daumen drück für dein Weizen :-)

    • admin sagt:

      Hallo Apfelbrei

      Habe ich zwischenzeitlich schon beim Kommentar von Markus drauf geantwortet. Ich sehe mal bei Ebay nach.

      Gruss RR

  6. Jan sagt:

    Moin,

    der Reihenabstand von 20cm war vielleicht doch besser, habe erst letztens in einer Fachzeitschrift gelesen das der Getreideanbau in der 18,5 cm Reihe immer beliebter wird. Bei präziser Saatgutablage (Einzelkornablage) soll der Ertrag höher sein als bei den klassischen Abständen zwischen 10 und 15 cm. Der Bestand wird dann auch etwas besser durchlüftet und trocknet nach Regen schneller, was Pilzerkrankungen etwas vermindert. Biologischer Anbau setzt schon länger auf weite Reihen wegen weniger Pilzbefall, mechanischer Unkrautbekämpfung und gegebenenfalls Untersaaten.

    Gruß

    Jan

  7. Jan sagt:

    Das ist wieder eine Wissenschaft für sich, bei 10-15% weniger Aussatstärke bei 20 cm dürfte der entstehend Bestand dem bei einem klassischen Reihenabstand ähneln. Signifikante Ertragseinbußen sind laut Feldversuchen selbst bei halber Aussaatstärke nicht zu erwarten.Bei – 50% klappt die Unkrautunterdrückung innerhalb der Reihe dann nicht mehr so und die Lagergefahr (Umknicken) des Getreides wird höher wegen längeren schweren Ähren und weniger Halt wegen weniger Halmen.

    Da müsste man wohl am eigenem Standort testen, mit welchen der diversen Probleme man am besten klarkommt :)

    Gruß

    Jan

  8. Jan sagt:

    … so, Artikel nochmal rausgekramt, die gingen von einem Optimum bei 80 bis 150 Pflanzen/m² bei Getreide aus. Wohlgemerkt bei einwandfrei funktionierender Einzelkornablage.

  9. Markus sagt:

    … achso, ja wenn die beiden äußeren Schare breiter sind gehts natürlich nicht, das ist klar. Ja, die Bodenuntersuchungsergebnisse sind da. Schreib ich dir bei deinem Bodenanalyse-Artikel rein.

    Gruß
    Markus

  10. Scholle sagt:

    Hallo Ralf,
    das mit deiner Radhacke ist gut. Doch du musst das noch ein paarmal machen, warum baust du dir nicht für deinen Einachser einen Gräterahmen und daran befestigst du einen Striegel? Da könnest du drüber fahren, wenn das Unkraut aufläuft. Dann noch beim nächsten mal sähen Fahrgassen berücksichtigen und das ganze kann ohne Schäden durchgeführt werden. Ich habe das so für meinen Einachser gebaut. Damit kann ich meine Kartoffeln besser stecken, Anhäufeln und pflegen. Das ganze geht auch noch schnell und effektiver.
    Gruß
    Scholle

    • admin sagt:

      Hallo Scholle

      Hast du dir selbst einen Striegel fuer den Einachser gebaut. Meines Wissens gibt es die fuer so kleine Maschinen wie die meine nicht zu kaufen. Schade, dass es von deinen Geraetschaften keine Bilder im Netz gibt.

      Gruss RR

  11. Jan sagt:

    Zu “vielfaches zu viel ausgesaet”

    es ging um den “zukünftigen Ackerbau” in dem Artikel, meistens werden aktuell ca. zwischen 300 und 400 Weizenpflanzen/m² aka ~200 kg/ha Saatgut ausgebracht.

    Gruß Jan

  12. Scholle sagt:

    Hallo Ralf,
    ja den habe ich selber gebaut. Denn für meinen Holder E6 Bj 68 gibt es so etwas nicht zukaufen. Wenn du willst kann ich dir ein paar Bilder zu Mailen wenn du mir deine Adresse schickst.
    Gruß
    Scholle

  13. [...] davon sind schon fertig. Auf einem waechst schon Weizen, auf einem schon diverse Gruenduengungen, und auf einer weiteren kaempft gerade der Spinat mit dem [...]

  14. julian sagt:

    hallo rrhase

    dieses video könnte dich vieleicht noch interessieren
    http://www.youtube.com/watch?
    v=87jo3JeJHDY&feature=plcp

    lg julian

  15. Tobi sagt:

    Hallo Ralf habe vor kurzem von einen Ackerstriegel erzählt bekommen den kann man wohl ab einer Höhe von 15 cm einsetzen . Wurde wohl früher mit dem Pferd gezogen aber in kleinerer Ausführung Wehre das evtl mit einem Seil per Hand zu ziehen .
    Vielleicht Wehre das was für dich
    Grus Tobi

  16. [...] der Aussaat habe ich ein einziges Mal zwischen den Reihen mit meiner improvisierten Radhacke gearbeitet. Das noch nicht einmal sonderlich gruendlich. Einen Teil des Unkrautes habe ich [...]

  17. Tobias sagt:

    Hallo
    Am besten kann man dort ein Ponny Vorbinden

  18. Kevin K. sagt:

    Ich kann dir aus meiner Praxiserfahrung sagen, das man mit einem kleinen Federzinkengrubber für den Einachser gut durch die Reihen fahren kann.
    So mach ich das bei Mohrrüben, Rüben und Kohl. klappt bei mir wunderbar.

  19.  
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