Es gibt so Momente, an denen alles zusammenkommt und mich in ein tiefes Loch hinein zieht. Seit mehr als acht Jahren fast keine Nacht mehr durchgeschlafen, die Kinder eben. Eine gehoerige Portion Midlifecrisis, Winteranfangsdepression, Rueckenschmerzen, leichte Erkaeltung und ein Martinszugterminkalender, der einem kaum Zeit zum Atmen laesst. Der Sommer war mehr als beschissen, das Fernsehprogramm zum Heulen und die Rechnungen nehmen kein Ende. Dazu noch Berge von unerledigten Arbeiten, zu denen ich keine Lust habe, oder die mein kaputter Ruecken nicht zulaesst. Ich plage mich mit Tausenden stechender “Plagegeister” herum. Die Kaninchen fressen mehr als ich herbeischaffen kann, die Huehner legen kaum mehr Eier und die Enten brueten schon wieder. Also alles in allem keine gute Zeit fuer mich.
Dann fehlt nur noch das Tuepfelchen auf dem “I” um das Fass zum Ueberlaufen zu bringen. Da muehe ich mich doch Jahr fuer Jahr im Garten ab, pflanze Baeume, pfluege, saee, hacke Unkraut, stehe stundenlang in der Kueche um all die Ernten halbwegs haltbar zu machen, plane schon die neue Saison mit noch mehr Anbauflaeche und noch mehr Vielfalt im Garten und dann
Juli, August und auch noch der September sind fuer Hobbygaertner die allerschoensten Monate. Kein Tag, an dem in diesen Monaten nichts zu ernten ist. Meist kann man sich vor all dem (hoffentlich) chemiefreien Gemuese gar nicht retten. Die leckersten Dinge, frisch auf den Tisch, man schwimmt in einem Meer aus frischem Gemuese und weiss nicht, was man zuerst essen soll. Diese Monate sind die Monate, auf die man das ganze Jahr hingearbeitet hat, die man all die Monate vorher geplant hat und auf die man all die Monate, seit der letzten Ernte, gewartet hat. In diesen Monaten zeigt sich, ob sich all die Muehe gelohnt hat und ob all die Planungen und Vorbereitungen richtig waren. Es sind aber, jedenfalls bei mir, auch die Monate, in denen mir klar wird, woran ich noch arbeiten muss, was ich in der naechsten Saison anders oder besser machen muss.
Es ist erstaunlich. Ich habe ja schon vieles ausprobiert, und doch fallen mir in jedem Jahr Dinge ein, die ich im naechsten Jahr aendern muss, weil sie sich entweder als nicht sinnvoll, vollkommen unpraktisch oder schlichtweg als falsch herausgestellt haben.
Aber zurueck zur Ernte. Ich denke, jeder Hobbygaertner ist stolz auf das, was er erntet. Mit eigener Haende Arbeit, gesaet oder gepflanzt, gehaetschelt und gepflegt, gegossen und beschnitten, das ist ein ganz eigenes Erlebnis. Was bin ich froh, unser Gemuese nicht im Supermarkt kaufen zu muessen. Sicher, es saehe da besser aus. Besser als ich es je hinbekommen wuerde. Ich braeuchte mir keine Gedanken um Raupen im Blumenkohl zu machen, ich brauchte mir nicht die Muehe machen, Schuesseln voller Gurken haltbar machen zu muessen. Schildlaeuse im Kohl waeren ein Fremdwort und Schneckenfrass an immer den dicksten und schoensten Erdbeeren kaeme auch nicht vor.
Trotzdem, ich pfeiffe auf all das Supermarktgemuese. Selbst wenn meine Kochkuenste nicht ausreichen, um aus meinem eigenen Gemuese ein drei Sterne - Menue zu basteln, ich wollte nicht tauschen. Denn, das was ich daraus mache schmeckt so was von herrlich, besser geht es nicht.
Und weil Ernten so eine schoene Sache ist, habe ich einmal kurz mit der Kamera festgehalten, was ich heute so erbeutet habe. Das kann sich naemlich sehen lassen.
Viel Spass.
Uebrigens, heute Mittag gab es frische Rosmarin - Bratkartoffeln mit Lauchzwiebeln und Knoblauch. Dazu eine riesige Portion aus Blumenkohl und Brokkoli und eine grosse Schuessel Gurkensalat mit einigen Dillspitzen. Ein selbst hergestelltes Joghurt verfeinert mit selbst hergestelltem Gelee aus schwarzen Johannisbeeren. Zur Entspannung danach einen leckeren Zitronenverbenentee. Das hatte ich mir verdient.
Schade nur dass ich nicht noch mehr Anbauflaeche habe. Dann waere das Oel fuer die Bratkortoffeln auch noch aus eigenem Anbau gewesen. Ach so, Speck war auch noch mit drin. Da stellt sich mir die Frage, ob man auch aus Kaninchen Speck raeuchern kann?
Es gibt so leckere Kohlsorten, da kann ein Garten nie gross genug sein. Gibt es z.B. etwas leckereres als einen gratinierten Blumenkohl, schoen weiss und frisch oder einen Brokkoliauflauf mit Nudeln? Ganz zu schweigen von einer grossen Kohlroulade oder einem frischen Rotkohlsalat. Kaum.
Jetzt ist das aber mit dem Kohl so eine Sache. Man kann Erfolg haben, oder eben aber auch nicht. In einem Jahr laeuft alles prima, im anderen muss man alleine schon dreimal pflanzen, damit ueberhaupt einer ans Wachsen kommt. Und wenn dann doch ein Kohlpflaenzchen den Ansturm der Voegel, der Schnecken und was weiss ich noch alles ueberlebt hat und langsam beginnt zu wachsen, dann tauchen wie aus dem Nichts wieder neue Fressfeinde auf, die meinen, gerade diesen Blumenkohl oder diesen Wirsing verzehren oder mit Pilzen ueberziehen zu muessen. Da kann man schon graue Haare kriegen. Den Rest des Eintrages lesen »
Nun sind die Schnecken aber bei weitem nicht die einzigen Fressfeinde, mit denen wir uns so als Hobbygaertner herumschlagen muessen. Habe ich doch vor einiger Zeit einen Bericht darueber verfasst, wie gut unser sibirischer Kohl im Garten gedeiht und wie einfach es ist, ihn anzubauen. Es waere auch zu schoen gewesen, um wahr zu sein. Nach dem ersten Schnitt vor einigen Wochen ist der sibirische Kohl ganz ordentlich gewachsen. Aus der Ferne sah er so was von einlandend lecker aus, einfach ein Genuss fuer die Augen und eine Vorfreude fuer den Gaumen. So habe ich unsere Hauskoechin mal wieder eingeladen, mit uns einen “Erntetag” zu veranstalten. Da gab es noch eine ganze Reihe Stielmus und eben sibirischen Kohl zu ernten und zu verarbeiten.
Bewaffnet mit einem Messer und einer grossen Waschbuette sind wir dann zum Kohl gestiefelt, Den Rest des Eintrages lesen »
Helgoland ist fuer den Hobbygaertner nicht nur wegen seiner Gartenkolonie mit der wohl schoensten Aussicht Deutschlands eine Reise wert. Auch in Bezug auf seltene und besondere Gemuesepflanzen lohnt die Fahrt nach Helgoland. Auf Helgoland waechst eine der Urformen aller heute verbreiteten Kohlarten. Der Helgolaender Wildkohl oder auch Helgolaender Klippenkohl genannt. Anfang Oktober, zu der Zeit zu der ich die Insel besucht habe, war nicht mehr viel davon zu sehen. Dem nicht suchenden Auge waere der Klippenkohl glatt entgangen. Ich aber habe danach gesucht und doch einige Pflanzen gefunden. Der Helgolaender Klippenkohl hat eine gewisse Aehnlichkeit mit dem “Ewigen Kohl”, nur dass “Ewiger Kohl” nicht blueht. Es ist auch auffallend, dass viele der Pflanzen, die ich auf der Insel noch gefunden habe, einen harten verdickten Stamm zeigten, aus dessen Mitte ein ziemlich grosser Bluetenstand herausgewachsen war. Heiner hat mal einen Bericht ueber eine Kohlart namens Spazierstockkohl geschrieben. So aehnlich sahen auch die Staengel des Klippenkohls aus. Nur eben nicht zwei bis drei Meter hoch.